Soziale Netzwerke im Web 2.0 Wie es dazu kommen musste…Teil I

10 Nov

It’s human nature for people to make contact with others like themselves.

Von jeher brauchen Menschen soziale Bindungen und befinden sich in sozialen Netzwerken welche zunächst klein und familiär beginnen. Die allererste soziale Bindung baut sich direkt nach der Geburt zu den Eltern auf. In einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung legen die Eltern mit einer zuverlässigen sozialen Umgebung die Grundsteine für das soziale Lernen und Verhalten Ihres Kindes. Später kommen Familie, Verwandte, Freunde und Bekanntschaften wie Kommilitonen, Arbeitskollegen, Mitglieder des gleichen Sportvereins oder einfach Menschen mit den gleichen Interessen hinzu. Unser soziales Netzwerk wächst zunächst mit dem Lebensalter und pendelt sich dann je nach Geschlecht, Bildung, sozialer und beruflicher Stellung auf eine relativ gleichbleibende Zahl von Personen ein. So die bisherige Theorie der Soziologie…

Theorien zur Entstehung Sozialer Netzwerke

Die Soziologie und die sozialen Ebenen die hinter sozialen Netzwerken jeglicher Art stehen sind so vielschichtig wie der Mensch an sich. Ich werde in diesem Rahmen lediglich einige Theorien die sich auf die Entstehung, den Umfang und die Verknüpfung sozialer Netzwerke und Kontakte beziehen kurz ansprechen.

Die Theorie der Memetik erklärt laut Susan Blackmoore  die Entstehung von Netzwerken folgendermaßen: Jeder Mensch legt sich auf einen bestimmten Satz von Verhaltensweisen, Glaubenssätzen, Weltanschauungen, Argumenten etc. fest, ein sogenannter Satz an Meme (ein Kunstwort welches der Evolutionsbiologe Richard Dawkins festlegte). Dieser Satz an von uns selbst bestimmten Meme, ob nun bewusst oder unterbewusst gewählt, gibt uns eine Art von Sicherheit und natürlich fühlt man sich mit Menschen mit einer ähnlichen Meme verbunden und bildet somit Netzwerke.

Das Small-World-Theorem oder auch Kleine-Welt-Theorem wurde schon durch viele Tests, Studien oder Experimente bestätigt. Es klingt merkwürdig aber jeder kennt jeden, die Welt ist ein Dorf und das alles ist durch wissenschaftliche Erkenntnisse belegt. Stanley Milgram belegte als erster anhand eines Experimentes, dass jeder Mensch über eine Kette von durchschnittlich 6 Bekanntschaftsbeziehungen verbunden ist. Getestet und belegt wurde die Hypothese damals mit dem Versenden von Briefen und wurde seitdem in vielen verschiedenen Varianten immer wieder bestätigt so auch anhand von Telefonaten, Instant-Messages oder Emails.

In Bezug auf die Menge der Kontakte die ein Mensch innerhalb eines sozialen Netzwerkes hat und die neuesten Entwicklungen innerhalb des Web 2.0 mit seinen Social Networks gibt es folgende Beobachtung: Robin Dunbar, britischer Soziologe und Psychologe stellte im Zuge einer Untersuchung fest, das es für den Menschen (er untersuchte auch andere Säugetiere) eine Grenze für die Menge an sinnvollen sozialen Beziehungen, die das menschliche Gehirn verarbeiten kann gibt. Er legte die sogenannte Dunbar-Zahl mit 150 sozialen Beziehungen die eine einzelne Person theoretisch hat fest.

Ist diese Grenze auch innerhalb der virtuellen sozialen Netzwerke gültig? Hierzu folgendes Interview: http://www.guardian.co.uk/technology/2010/mar/14/my-bright-idea-robin-dunbar

R. Dunbar ist weiterhin davon überzeugt das die festgelegte Dunbar-Zahl von 150 sich vorerst nicht verändern wird, weil wir dazu größere Gehirne bräuchten um eine höhere Zahl von sozialen Beziehungen verarbeiten zu können. Und auch bei den Facebook-Nutzern liegt der weltweite Durchschnitt an „Freunden“ bei 130. Auch wenn es je nach Land natürlich auch wesentlich höhere Durchschnittszahlen gibt, wie z.B. Malaysia 233, Brasilien 231, Norwegen 217 ist es doch so, dass es sich dann bei der Vielzahl dieser „Freunde“ eher um sogenannte „lose Kontakte“ handelt.

Es kommt also in unserer heutigen vernetzten Gesellschaft auf die Qualität der „Freundschaften“ an. Hierzu hat Mark Granovetter schon vor der Entstehung des Internets eine Einteilung vorgenommen. Er spricht von den „weak ties“ also den schwachen, nur entfernt verbundenen Bekanntschaften und den „strong ties“ welche die starken, intimen und langandauernden zwischenmenschlichen Beziehungen bezeichnen. Für die vielen „losen Kontakte“ die innerhalb des Internets bestehen, musste unser Gehirn aber ganz sicher nicht wachsen. Das weiß auch R. Dunbar. Vielmehr ist der Mensch doch in der Lage die vielen „strong ties“ und „weak ties“ auseinanderzuhalten und seinen Nutzen auch aus den schwachen losen Beziehungen zu ziehen. So ist es doch wesentlich einfacher eine schwache Bindung bei Bedarf in eine starke umzuwandeln als mit einem völlig Unbekannten eine Beziehung aufzubauen.

Das wir einen solchen Nutzen aus dem internetbasierten Networking ziehen können haben wir hauptsächlich der Weiterentwicklung des Web 1.0 hin zum noch effizienteren Web 2.0 zu verdanken. Auf diese Entwicklung werde ich in dem nächste Woche folgenden Teil II eingehen.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Netzwerk_(Internet)  –  22.11.10, 22:31

http://www.online-marketing-deutschland.de/social-media-marketing/word-of-mouth-marketing-soziale-netzwerke-und-deren-entstehung/  –  22.11.10, 21:56http://www.hr-online.de/website/rubriken/ratgeber/index.jsp?rubrik=55911&key=standard_ document_38896589&seite=2

http://www.cs.cornell.edu/home/kleinber/swn.d/swn.html

http://www.iep.utm.edu/soc-cont/

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/225709

http://www.pressebox.de/pressemeldungen/sapient-gmbh/boxid/288990

http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=279  –  22.11.10, 22:08

http://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Blackmore

 http://www.stanleymilgram.com/

http://www.guardian.co.uk/technology/2010/mar/14/my-bright-idea-robin-dunbar

 http://www.phaenomenfacebook.com/2010/10/landerreport-facebook-nutzung-in-malaysia/

 http://www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/soziologie/Haffner_Lehre/WS_07-08/Protokoll.2007-11-26.1.pdf

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=bsNcjya56v8

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