Soziale Netzwerke im Web 2.0 Wie es dazu kommen musste…Teil II

17 Nov

Web 1.0 was all about connecting people. It was an interactive space, and I think Web 2.0 is of course a piece of jargon, nobody even knows what it means. If Web 2.0 for you is blogs and wikis, then that is people to people. But that was what the Web was supposed to be all along. – Tim Berners-Lee – Begründer des World Wide Web

In Zeiten in denen Millionen Menschen jedes Alters, Geschlechts, jeder Religion auf allen Kontinenten tagtäglich und zu jeder Zeit das Internet und das World Wide Web nutzen, erscheint der Blick zurück zu den Anfängen der uns nun so vertrauten Technik fast profan. Kein millionenschweres Unternehmen stand hinter der Entwicklung, keine großen Welteroberungspläne und schon gar kein Profitgedanke. Das womit sich Tim Berners-Lee als junger Informatiker in Genf beschäftigte, sollte an sich lediglich helfen wissenschaftliche Informationen auch über Distanzen hinweg auszutauschen, Projektinformationen zu bewahren und diese auch für nachfolgende Forscherteams innerhalb des schweizerischen Instituts CERN zugänglich zumachen. Berners-Lee nutzte das schon seit 1969 vorhandene Internet und arbeitete in den Jahren nachdem er seine Idee (1989) formuliert hatte an und mit der ebenfalls schon vorhandenen „Hypertext Markup Language“. Diese konzipierte er so, dass sie auf wirklich jedem Computersystem lesbar gemacht werden konnte. Ihm erschien es äußert wichtig eine möglichst hohe Kompatibilität zu erreichen und eine Möglichkeit zu finden die jedes Dokument unabhängig vom jeweiligen Zugangspunkt abrufbar machen würde. Mit festgelegten Übertragungsstandards und einer einheitlichen Dokumentenadressierung gelang das woran sich bereits viele vor Berners-Lee versucht hatten.

Wie schon erwähnt gab es das Internet an sich bereits. Dienste wie die E-Mail, FTP (File Transfer Protocol) und Kommunikationsformen über Netnews oder die ersten Informationssysteme Archie und WAIS wurden bereits von Universitäten, Forschungseinrichtungen, dem US-amerikanischen Militär oder auch Behörden genutzt. Einzelne Computer waren somit bereits miteinander verbunden und konnten genutzt werden um zu kommunizieren jedoch war kein großer kommerzieller Nutzen zu erkennen. Dies änderte sich nun als Tim Berners-Lee 1991 die Ergebnisse seiner Arbeit ins Internet stellte und anderen Programmierern mit der Bibliothek „libwww“ zur Verfügung stellte. Dies tat er vor allem, weil er keine weiteren Gelder zur Weiterentwicklung seiner bereits selbst entworfenen Browser (der erste Browser hieß tatsächlich „WorldWideWeb“ für das Betriebssystem NeXTStep) bewilligt bekam. Dieser Geldnot ist es zu verdanken, dass andere Programmierer die Informationen aus der „libwww“ fei nutzen konnten um neue Anwendungen, Browser und Server zu programmieren.

Web 1.0

Mit den neuen Programmiermöglichkeiten, der Verbreitung von Computern an immer mehr Arbeitsplätzen und zunehmend auch in Privathaushalten war das Internet in Zusammenhang mit dem WorldWideWeb nicht mehr aufhaltbar. Die nun sogenannten „Web 1.0-Seiten“ kann man aus heutiger Sicht als hauptsächlich statisch bezeichnen. Die angebotenen Informationen konnten lediglich aufgenommen jedoch nicht verändert werden. Es konnte auch nicht über sie kommuniziert werden (es gab jedoch auch Foren, Chats und Communities). Dies stellt zwar sicher, dass keine ungeprüften Veränderungen vorgenommen werden können, erscheint aber nach den heutigen Nutzungsstandards als benutzerunfreundlich und teilt dem Nutzer eher die passive Konsumentenrolle zu. Dennoch kam es zum Boom von Technologieunternehmen die als zukunftsweisend und stark wachsende Branche an den internationalen Börsen dotiert wurden, die New Economy war geboren. Einen Dämpfer bekam die ganze Branche im März 2000. Die durch neue technologische Entwicklungen (WWW, Handys, Handheld-PC etc.) hohen Gewinnerwartungen konnten von den New Economy Unternehmen nicht erfüllt werden und es kam zum Platzen der Spekulationsblase auch Dotcom-Blase genannt, was zu vielen Insolvenzen und Verlusten für viele Anleger führte.

Web 2.0

Trotz oder auch wegen der geplatzten Spekulationsblase hat sich das WWW mehr zum Nutzer hin bewegt und dem Internet zu einer ungeheuren Beliebtheit verholfen. Neue Technologien die zur Entwicklung des Web 2.0 gezählt werden, haben den Konsumenten zu einem aktiven Produzenten werden lassen der über das Web die Möglichkeiten hat Inhalte, Orte, Menschen, Meinungen oder Ereignisse zu vernetzen und so einen ganz neuen Raum von Produktivität, Interaktion und Miteinander aufzuspannen.2

Was nun der Begriff Web 2.0 beschreibt ist nicht wirklich fassbar, er wird genutzt um den Wandel des Internets zu beschreiben. Geprägt hat den Ausdruck Web 2.0 vor allem Tim O’Reilly, Verlagsgründer und Softwareentwickler. Er rief eine jährlich stattfindende „Web 2.0 Conference“ (http://www.web2summit.com/web2010) ins Leben an der die führenden Persönlichkeiten von Online-Unternehmen teilnehmen und legte in einer der ersten sieben Schlüsselprinzipien fest die das Web 2.0 charakterisieren.

1. The Web As Platform – Internet ist eine Oberfläche- nicht ausschließliche Nutzung von Web-Browsern auch andere Dienste werden genutzt
2. Harnessing Collective Intelligence – Verbesserung von Ergebnissen durch dasWissen Vieler- Bsp. Wikipedia: jeder kann Änderungen vornehmen, dadurch am Ende bessere Ergebnisse
3. Data is the Next Intel Inside – owning an application’s core data3, wie beispielsweise Navigationsgeräte die “Daten” empfangen
4. End of the Software Release Cycle – Software muss nicht mehr als Produkt käuflich erworben werden- Software wird als Dienst verfügbar gemacht; Updates online verfügbar
5. Lightweight Programming Models – Nutzung “einfacherer” Programmierungen- Verbindung unterschiedlicher Services
6. Software Above the Level of a Single Device – Software kann auf mehreren Geräten genutzt werden (PC, Handy, mobile Geräte)
7. Rich User Experiences“Web 2.0 is the network as platform, spanning all connected divices; Web 2.0 applicatons are those that make the most of the intrinsic advantages of that platform: delivering software as a continually-updated service that get’s better the more people use it, consuming and remixing data from multiple sources, including individual users, while providing their own data and services in a form that allows remixing by others, creating network effects through an “architecture of participation”, and going beyond the page metaphor of Web 1.0 to deliver rich user experiences.”4

 

Auch wenn O’Reilly den Begriff des Web 2.0 entscheidend geprägt hat, gibt es noch andere weniger technische Ansätze zu dem Thema. So werden auch sozialpsychologische Veränderungen herangezogen um die veränderte Umgehensweise des Internet/Web-Nutzers zu erklären. Der tägliche Umgang mit Computern, Handys, Navigationsgeräten, Mp3-Playern etc. und die weltweite Vernetzung haben die Scheu vor dem Medium in Begeisterung für die Möglichkeiten des WWW umschlagen lassen.

Tim Berners-Lee (siehe Zitat am Beginn des Artikels) sieht in dem Begriff die Definition für alle neu erscheinenden Phänomene, die sich nicht wirklich beschreiben oder deuten lassen. Er vertritt den Standpunkt, dass durch die komplexen, vielschichtigen Programmiersprachen eine aktive Partizipation behindert wurde. Den Nutzern fehlte das nötige Hintergrundwissen. Dies hat sich nun durch benutzfreundlichere und vereinfachte Techniken geändert und demzufolge ist es jedem Nutzer nun möglich das Web so zu nutzen wie er es möchte.

Soziale Netzwerke im Web 2.0

Aus den Erkenntnissen des ersten und zweiten Blogs zu diesem Thema lässt sich nun erschließen warum es zu den von Millionen Menschen genutzten Social Networks wie Facebook, Xing, StudiVZ etc. kommen musste.

Die technischen Neuerungen welche es uns, dem „gemeinen“ User ermöglichen die Grundgedanken des Internets – Partizipation, Kollaboration und Kommunikation – umzusetzen und der Hang der Menschen zum Aufbau und Ausbau sozialer Bindung haben das Internet menschlicher werden lassen. Anfangs waren Chats o.ä. eher anonym und außer der schriftlichen Kommunikation gab es wenige andere Möglichkeiten sich zu präsentieren. Doch seit es jedem auf einfache Art und Weise möglich ist Texte, Bilder, Videos oder Audio-Dateien mit anderen zu teilen, sich und seine Ideen vorzustellen um Gleichgesinnte weltweit zu erreichen, ist das WorldWideWeb zu einer offenen Plattform menschlicher, sozialer Netzwerke geworden welche in Social Network Sites den geeigneten Rahmen zur Interaktion gefunden haben.

 

                                  

1 vgl. Willi Schroll & Andreas Neef (2006): Web 2.0 – Was ist dran?, Z_punkt The Foresight Company, Essen, 2006, S. 3

2 vgl. http://oreilly.com/pub/a/web2/archive/what-is-web-20.html?page=4

3 vgl. http://radar.oreilly.com/archives/2005/10/web-20-compact-definition.html

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,610257,00.html

http://www.netplanet.org/geschichte/worldwideweb.shtml

http://de.wikipedia.org/wiki/Internet

http://www.e-teaching.org/glossar/html

http://www.netplanet.org/dienste/ftp.shtml

http://www.boerse-express.com/wiki/Dotcom-Blase

Willi Schroll & Andreas Neef (2006): Web 2.0 – Was ist dran?, Z_punkt The Foresight Company, Essen, 2006

http://oreilly.com/pub/a/web2/archive/what-is-web-20.html?page=1

http://www.web2summit.com/web2010

http://radar.oreilly.com/archives/2005/10/web-20-compact-definition.html

Bildquelle:

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