Das Unternehmen als Person? Teil II

10 Jan

AUF DEN ZAHN GEFÜHLT. Im letzten Teil habe ich behauptet, Unternehmen würden zwar an den Diskussionen im Internet teilnehmen wollen, sich dabei aber eher ungeschickt verhalten. Sie seien zu wenig „echt“. Sie würden weiterhin versuchen in traditionellem Umfang zu kommunizieren (also Werbung zu platzieren) und den Faktor Mensch nicht ausreichend berücksichtigen. In meiner Antwort auf einen Kommentar zum selben Beitrag äußerte ich meine Kritik dahingehend, dass zum einen viele Unternehmen „mit ihren Produkten absolut keinen Wert in die Gesellschaft bringen“. Was natürlich wahr ist, aber in diesem Zusammenhang ein wenig deplaziert. Zum anderen äußerte ich an besagter Stelle: „wer sich darstellt ist nicht authentisch“. Was ich vorher nur aus meinem Gefühl heraus begründet habe, will ich im zweiten Teil noch einmal genauer betrachten.

Foto: Guiseppe Zizza

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND. Was bedeutet Authentizität? Dieser Frage hat sich auch Jochen Mai in seinem Blog „Karriere Bibel“ gewidmet. „Authentizität beginnt immer bei sich selbst. Wer versucht, Rollen zu entsprechen, ist vielleicht beliebt, aber auch opportun und unecht.“ Kann ein Unternehmen denn dann überhaupt authentisch sein? Rollen zu entsprechen und beliebt zu sein gehört zu den Kernzielen einer jeden Unternehmung. Wiederum habe auch ich in meinem Kommentar zum ersten Teil betont: „Wenn man seine Vision und ihr Ergebnis ehrlich vermitteln will, dann muss man eben nicht nur nach außen hin ehrlich sein.“ Mai führt in seinem Artikel vier Kriterien an, die laut der beiden Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman „erfüllt sein müssen, damit man sich selbst als authentisch erlebt.“ Vielleicht lässt sich die Frage durch eine Bewertung dieser Kriterien hinsichtlich der „Unternehmenspersönlichkeit“ beantworten.

1. Bewusstsein

Selbstreflektion ist eine Sache die die meisten Unternehmen sehr gut beherrschen. Stärken und Schwächen werden penibel analysiert und auch über seine Motive ist sich ein Unternehmen, egal ob klein oder groß, eigentlich immer im klaren. Handeln bewusst „erleben“ und beeinflussen? Check!

2. Ehrlichkeit

Kann ein Unternehmen sich selbst im Spiegel betrachten und sich eventuell klar machen dass es nicht zu den hübschesten zählt? Es kann. Aber, ich denke, nicht viele tun das. Ergebnisse von Marktanalysen werden modifiziert bis sie auf die eigene Vorstellung passen. Wenn ein neuer Konkurrent identifiziert wird, dann heißt es selten anerkennend „fantastisch was die machen“, sondern es wird solange in deren Wäschekiste gegraben bis die schmutzigen Socken an die Oberfläche befördert werden und dann heißt es abwertend „nicht mal das kriegen die ordentlich hin.“ Der Realität ins Auge blicken? Außnahme.

3. Konsequenz

Auch wenige Unternehmen werden nach ihren Werten (die intern definiert sind) handeln, wenn sie sich dadurch Nachteile einfahren. Die meisten Unternehmen sind eben Opportunisten. Prioritäten auch wirklich an erster Stelle? Selten.

4. Aufrichtigkeit

Weniger Show, mehr wahrhaftige Größe? Möglich, aber kaum praktiziert.

EIN BUND FÜRS LEBEN. Die meisten Unternehmen sind also nicht in der Lage ihre Ecken und Kanten zu präsentieren, ergo authentisch zu sein. Dabei sind die Punkte Ehrlichkeit und Konsequenz grade für die interne Unternehmenskultur eigentlich sehr wichtig und damit auch wieder für die allgemeine Performance. Vielen Firmen würde es auf lange Sicht wahrscheinlich eher gut tun einen langen, klärenden Blick in den Spiegel zu werfen. Wenn das geschehen ist und die Marke in die Lage versetzt wurde einen offenen und ehrlichen Dialog zu führen, dann wird sich das sicherlich nur positiv, auch auf die wirtschaftlichen Interessen auswirken.

AUF ZUM NÄCHSTEN FOTOSHOOTING. Bis dahin wird es nur möglich sein neben TV, Radio und anderen Medien das Internet als neuen, erweiterten Laufsteg für die eigene Marke zu nutzen; maximal noch als Club für die Aftershow-Party. In den Bars und Kneipen des World Wide Web, den Communities und Foren, wird man sich erst unters Volk mischen können, wenn man bereit ist die Fassade bröckeln zu lassen.

 

 

Quellen:

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